Advent Advent die Bude brennt: Brandschutz in der Weihnachtszeit

Wie jedes Jahr steht Weihnachten wieder vor der Tür und in die meisten Haushalte zieht spätestens pünktlich zum 1. Advent die ganz große Gemütlichkeit mit üppiger Weihnachtsdekoration ins Haus: Adventskranz, Tannengestecke, Lichterketten, Kerzen und so weiter und so fort. Das die Weihnachtszeit jedoch nicht nur die schönste, sondern mit Blick auf die Brandgefahr auch die gefährlichste Zeit des Jahres ist, vergessen viele – leider. Alle Jahre wieder verwandeln sich Weihnachtsbäume, Adventsgestecke und schließlich ganze Häuser in ein flammendes Inferno und verursachen hohe Sachschäden oder fordern sogar Menschenleben. Werden die Menschen mit den Jahren klüger und lernen aus ihren eigenen oder den Fehlern anderer? Nein, werden sie nicht, denn die Ursache ist fast immer dieselbe: UNACHTSAMKEIT! Damit Weihnachten nicht zur heißesten Jahreszeit wird, folgen nun ein paar Tipps und Hinweise für eine feuerfreie Weihnachtszeit.

1. Kerzen und offenes Feuer

Wenn es überhaupt eine typische Zeit gibt, in der massenweise Kerzen aufgestellt werden, dann ist es ja wohl die Weihnachtszeit. Der traditionelle Adventskranz ist mit Kerzen bestückt, hier und da noch ein Gesteck mit Kerzen oder Teelichtern und in manchen Haushalten wird sogar der Weihnachtsbaum mit echten Kerzen ausgestattet. Die wichtigste Regel hierbei ist: Brennende Kerzen niemals unbeaufsichtigt lassen! Manche Kerzen brennen doch schneller runter als man denkt oder ungünstige Zugluft verhilft der Flamme zu ungeahnter Reichweite.  In so einem Fall reichen schon ein paar Minuten, um eine Katastrophe heraufzubeschwören. Die Adventskränze und -gestecke sind oftmals furztrocken und stehen innerhalb weniger Sekunden in Vollbrand. Von daher ist auch darauf zu achten, dass die Kerzen sicher und möglichst auf einer feuerfesten Unterlage in dem Gesteck befestigt werden. Auf echte Kerzen im Weihnachtsbaum sollte übrigens ganz verzichtet werden. Zwar ist es prinzipiell möglich, durch eine senkrechte Befestigung der Kerzen und genügend Abstand zu den oberen Zweigen, den Baum nicht gleich abzufackeln, aber das Brandrisiko ist enorm. Viele Leute wissen gar nicht, wie extrem schnell ein Weihnachtsbaum abbrent. Um das zu demonstrieren habe ich hier ein Video (Quelle:  National Institute of Standards and Technologie) eingefügt, welches auf erschreckende Weise die Gefahr eines brennenden Weihnachtsbaumes zeigt:

Der Richtigkeit halber muss erwähnt werden, dass in diesem Falle keine echten Kerzen für den Brand verantwortlich waren, sondern eher ein Kurzschluss simuliert wurde. Trotzdem: Die mitlaufende Zeit zeigt, dass der Baum innerhalb von 6 Sekunden in Vollbrand steht und das gesamte Wohnzimmer nach rund 30 Sekunden. Die Raumtemperatur beträgt ungefähr 600°C, wodurch alle anderen im Raum befindlichen Gegenstände Feuer fangen. Ein tödliches Inferno, bei dem mit eigenen Mitteln (Feuerlöscher, Wassereimer) nichts mehr zu machen ist. Wie kann es innerhalb so kurzer Zeit zu einem so verheerenden Brand kommen? Die Ursache ist der trockene Baum, besser gesagt, das Baumharz. Baumharz brennt hervorragend und lässt den Baum regelrecht explodieren.

Zurück zu unseren Kerzen: Die Flamme einer Kerze erreicht im Kern Temperaturen von bis zu 750°C  und durch die entstehende Strahlungswärme von bis zu 300°C können Gegenstände auch noch in einigen Zentimetern Abstand in Brand geraten.  Worauf also als  nächstes unbedingt geachtet werden muss, ist der richtige Abstand zu leicht entflammbaren Gegenständen wie etwa Vorhängen, Dekorationen, Servietten, Zeitungen, Möbeln und dergleichen.

2. Gestecke und Weihnachtsbäume

Wie ich eben schon erwähnte, sind viele Adventskränze, -gestecke und Weihnachtsbäume staubtrocken und bergen daher ein besonders hohes Brandrisiko. Das Austrocknen lässt sich vor allem gegen Ende der Adventszeit wohl auch kaum verhindern, aber um zumindest das anfängliche Brandrisiko zu senken wird empfohlen, nur frisch gebundene Kränze und Gestecke zu kaufen. Die Feuchtigkeit hält sich noch ein bis zwei Wochen in den Pflanzen und macht die Dekoration wesentlich schwerer entflammbar. Weihnachtsbäume sollten am besten auch nur frisch geschlagen gekauft und bis zum Weihnachtsfest im Freien gelagert werden. Die Aufstellung im Haus sollte in einem fest stehenden Weihnachtsbaumständer mit Wasserspeicher erfolgen. Das Wasser lässt den Baum nicht ganz so schnell austrocknen, was ihn, wie die Kränze und Gestecke, wesentlich unempfindlicher gegen Feuer macht. Außerdem liegen dann die Nadeln nicht überall rum und Ihr habt Heiligabend noch einen grünen Baum.

3. Kinder und Feuer

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass Kinder von einer flackernden Kerze magisch angezogen werden. Erst wird die Flamme bestaunt und wenn mal keiner so genau hinschaut, wird auch gerne mal der ein oder andere Gegenstand kurz in die Flamme gehalten und dann vergnügt dabei zugeschaut, wie er Farbe und Form ändert. Feuer ist kein Spielzeug und daher ist es besonders wichtig, Kinder über die Gefahren von Feuer aufzuklären sowie sie keine Sekunde aus den Augen zu lassen, wenn sich irgendwo in ihrer Nähe eine brennende Kerze befindet. Weiterhin sollten sämtliche Zünquellen wie Feuerzeuge und Streichhölzer außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.

4. Elektrische Lichterketten

Und kam die goldene Weihnachtszeit, und die Birnen leuchteten weit und breit… So sagte schon Theodor Fontane in seinem Gedicht “Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“. Gut, es war jetzt nicht die Weihnachts- sondern eher die Herbsteszeit und der Ribbeck hatte auch keine Glühbirnen an seinem Baum. Was ich damit sagen möchte ist aber klar: Lichterketten finden sich in jedem Weihnachtsbaum und das ist so sicher wie das Amen! in der Weihnachtsmesse – außer bei denen, die echte Kerzen benutzen. Aber da sie das ja besser lassen sollten, ist der Abschnitt auch für diese Leute interessant. Lest also ruhig weiter. Beim Kauf von Lichterketten sollte immer auf das GS-Zeichen (Geprüfte Sicherheit), eine verständliche Packungsaufschrift und eine vollständige Herstellerangabe geachtet werden. Des Weiteren warnt der TÜV vor Lichterketten, welche einen Preis von fünf Euro unterschreiten, da es bei billigeren Produkten überproportional häufig zu Problemen kommt. Billigprodukte in diesem Segment bergen die Gafahr von Stromschlägen und Überhitzung. Normalerweise dürfen Lichterketten im Betrieb eine Temperatur von 90°C nicht überschreiten. Eine bundesweite TÜV-Untersuchung aus dem Jahre 2008 hat jedoch gezeigt, dass einige Lichterketten einen Spitzenwert von 359°C erreicht haben. Das ist heißer als ein Backofen und setzt jeden Baum in Brand. Also: Schaut auf die Packung und gebt lieber ein paar Euro mehr aus, zumal etwas teurere Lichterketten auch wesentlich langlebiger sind. Meistens werden jedoch gar keine neuen Lichterketten gekauft sondern die vom Vorjahr wieder aus dem Keller gekramt. Dagegen ist nichts einzuwenden, doch sollte die Lichterkette nach 11-monatiger Lagerung auf Schäden geprüft werden, wie etwa Kabelbruch oder kaputte Birnchen. Bei einem beschädigten Kabel ist die Lichterkette direkt wegzuwerfen! Defekte Glühbirnchen sollten direkt ausgetauscht werden. Zwar funktioniert heutezutage die Lichterkette nach dem Ausfall einer oder mehrer Birnen weiter, doch neigen diese dann zum Überhitzen. Die übrigen intakten Birnen bekommen mehr Energie als sie sollten und werden dann auch heißer als sie sollten. Um einer Überhitzung vorzubeugen sollten daher die kaputten Birnen durch neue ersetzt werden, aber Achtung: Achtet darauf, dass die Birnen die richtige Wattzahl haben, diese ist nämlich je nach Länge der Kette unterschiedlich. Die Birnen einer 10er-Lichterkette haben z.B. eine andere Wattzahl als die einer 35er- oder 100er-Kette. Bei falscher Wattzahl kann die Kette auch überhitzen oder per Kurzschluss ganz durchknallen.

Es sollte natürlich auch darauf geachtet werden, dass nicht zu viele Lichterketten an eine Steckdose angeschlossen werden. Gegen einen Weihnachtsbaum, der im Glanze von 500.000 Glühbirnen erstrahlt ist nichts einzuwenden, doch seht zu, dass ihr nicht alles an eine Steckdose packt – baut keine endlosen Schlangen aus 3er-Steckdosen. Zudem sollten die Licherketten im Innenbereich nachts und zu den Zeiten, wo niemand zu Hause ist, vom Netz genommen werden. In Kinderzimmern bitte nur Lichterketten mit Trafo und LED-Lampen verwenden. Der Trafo regelt die Spannung auf 12 Volt herunter, was einem Stromschlag vorbeugt und die LED-Lämpchen werden nicht heiß.

Viele Leute schmücken auch Bäume, Büsche, Geländer und dergleichen im Außenbereich. Für solche Zwecke dürfen nur spritzwassergeschütze Lichterketten (IP 44) mit Transformator (12V) angebracht werden, welche für die Verwendung im Freien zugelassen sind. Lichterketten, die nur für den Innenbereich zugelassen sind schließen bei einer Verwendung draußen kurz, was unter Umständen zu Stromschlägen oder Bränden führt.

5. Vorbeugender Brandschutz

Sollte es trotz aller Vorsicht und Aufmerksamkeit doch mal heiß hergehen unterm Weihnachtsbaum ist es von größter Wichtigkeit, die richtige Vorsorge getroffen zu haben. Denkt an das Video mit dem Weihnachtsbaum! In diesem Falle hättet Ihr maximal 6 Sekunden um wirkungsvoll gegen das Feuer vorzugehen! Das man es in 6 Sekunden nicht schafft den Putzeimer hervorzukramen, ihn mit Wasser zu füllen, ins Wohnzimmer zurückzurennen und dann damit den Baum zu löschen leuchtet ja wohl jedem ein. Brand entdecken und zum Putzeimer laufen: 10 Sekunden – Game Over! Mit einem Eimer Wasser würde das sowieso nicht funktionieren, da man nur einen Versuch hat und das Wasser darüber hinaus alles andere als dosiert bzw. gezielt auf den Brandherd bringen kann. Deshalb mahne ich an dieser Stelle nochmals eindringlich: Kauft Euch einen Feuerlöscher, wenn Ihr noch keinen besitzt! Gute und zuverlässige Geräte gibt es schon für 40-50 Euro. Lasst aber die Finger von diesen komischen Löschsprays, die neuerdings überall angepriesen werden. Diese Dinger sind bestenfalls eine Löschhilfe, aber kein Feuerlöscher. Damit kann man nicht mal einen brennenden Pott in der Küche löschen und erst recht keinen Weihnachtsbaum. Diese Dinger sind nicht mehr als ein überteuertes, meistens wirkungsloses und auch gefährliches Spielzeug. Gefährlich deshalb, weil sie laut Beschriftung auch für Fettbrände geeignet sein sollen, es aber nicht sind. Das Löschmittel in diesen Dosen besteht aus Wasser mit Zusätzen, welches jedoch eher zu einer Fettexplosion führt. Außerdem sind sie nicht prüfbar, haben zu wenig Druck und von der Bedienungsfreundlichkeit will ich gar nicht erst reden. Euer Feuerlöscher sollte schon ein als Feuerlöscher zugelassenes Gerät mit einem Inhalt von 6 kg bzw. 6 Litern sein, um im Ernstfall etwas damit bewirken zu können. Daher rate ich auch vom Kauf eines 1 kg- bzw. 2 kg-Autolöschers ab. Die sind zwar qualitativ hochwertig, aber für einen brennenden Weihnachtsbaum zu klein. Geeignete Löschmittel wären Wasser, ABC-Pulver und Schaum. Wenn Ihr einen Feuerlöscher habt, dann stellt ihn an einen gut erreichbaren Platz, sodass er sofort griffbereit ist. Außerdem sollten im Flur und vor allem in den Schlafräumen Rauchmelder angebracht sein. Also Leute: sorgt vor und haltet vor allem in der Weihnachtszeit einen Feuerlöscher griffbereit, welcher sich, mal so ganz nebenbei bemerkt, durch seine schöne rote Farbe doch perfekt in die Weihnachtsdekoration integriert.

Fassen wir die wichtigsten Regeln für eine brandfreie Weihnachtszeit nochmal kurz und prägnant zusammen:

1. Brennende Kerzen nicht unbeaufsichtigt lassen!

2. Immer frische Gestecke und Weihnachtsbäume kaufen!

3. Kinder über die Gefahren von Feuer aufklären!

4. Nur technisch einwandfreie Lichterketten verwenden!

5. Feuerlöscher und Rauchmelder bereithalten!

Ich hoffe, dass ich Euch ein paar wertvolle Hinweise und Tipps geben konnte und Ihr diese auch beherzigt.

Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen sowie deren Familien und Freunden eine besinnliche Adventszeit und an dieser Stelle schonmal FROHE WEIHNACHTEN! Wenn Ihr Euch jetzt fragt: “Warum wünscht dieser Penner von Autor hier an dieser Stelle keinen Guten Rutsch?” – Abwarten Freunde! Ich werde rechtzeitig vor dem Feuerwerksverkauf (29.12.2010) am 27.12.2010 noch einen Artikel über den sicheren Umgang mit Feuerwerkskörpern ins Netz hängen. Da gibts dann auch die besten Wünsche fürs neue Jahr :D .

Eine Antwort zu Advent Advent die Bude brennt: Brandschutz in der Weihnachtszeit

  1. [...] http://welcometochrisworld.wordpress.com/2010/11/21/advent-advent-die-bude-brennt-brandschutz-in-der… Vorbeugender Brandschutz . Sollte es trotz aller Vorsicht und Aufmerksamkeit doch mal heiß hergehen unterm Weihnachtsbaum ist es von größter Wichtigkeit, die richtige Vorsorge getroffen zu haben. Denkt an das Video mit dem Weihnachtsbaum … [...]

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